Rammstein Wien Konzertbericht
Rammstein waren in Wien. Dass dieses Konzert schon lange
erwartet wurde, zeigte sich bereits beim Vorverkauf. Die
Show war binnen Minuten ausverkauft, die
Schwarzmarktpreise stiegen in Regionen jenseits von Gut
und Böse. Die Band, die früher den alten Planet Music
Bunker nicht voll bekam, füllt nun mühelos die Wiener
Stadthalle. Das Konzept: Jahrelange Funkstille, um dann
hart und plötzlich zuzuschlagen. Jüngst wieder
vorexerziert beim Skandal-Video zu Pussy, der ersten
Singleauskoppelung vom aktuellen Album "Liebe ist für
alle da". Zu sehen ist die Band beim Liebesspiel,
detailliert und unzensiert. Ja dürfen's denn des? fragten
sich viele. Uns doch wurscht, sagten Rammstein. Ob diese
Provokationen live umgesetzt werden, war deshalb die
Frage.
Rammstein in Wien

Rammstein betreten nicht die Bühne, Rammstein bahnen
sich ihren Weg mit Gewalt, respektive mit Äxten und
Schweißbrenner. Umgeben von Industriedesign, angelegt
als eine Mischung aus Raffinerie und Umspannwerk,
marschiert die Band durch ein gut 100 Minuten dauerndes
Set. Dabei wird wieder klar, dass Rammstein über die
Inszenierung funktioniert. Das Bild des martialischen
Deutschen wird bemüht, kein Tabu ist unantastbar, jedes
kann gebrochen werden. Am besten mit dem
Vorschlaghammer. Dazu viel Feuer, Licht und Getöse.
Mächtig ist beautiful.

Mit
Effekten wird dementsprechend nicht gespart. Bei der
Fritzl-Hymne Wiener Blut hängen Babypuppen von der Decke
und explodieren, Flammensäulen steigen empor, zahllose
Scheinwerfer tauchen die Bühne in immer anderes Licht,
und während Pussy gibt es neben Konfettiregen eine
Schaumdusche aus einem überdimensionalen
"Fleischgewehr". Sänger Lindemann schießt mit
Flammenwerfern und trägt zum den Abend beschließenden
"Engel" übergroße Flügel. Dem gegenüber agiert die Band
weitgehend statisch. Lediglich Lindemann spielt exzessiv
den bösen Mann, und Keyboarder Flake muss leiden. Er
wird geschlagen (Ich tu dir weh), wird flambiert
(Benzin), muss auf dem Laufband rennen, darf aber auch
mit dem Gummiboot über das Publikum schaukeln. Schiff
ahoi!
Die
Show selbst wurde von Anfang bis zum Ende gnadenlos
durchgezogen, ohne Abweichungen, ohne Interaktion.
Rammstein reden nicht. Das Hauptaugenmerk lag wie
erwartet auf dem aktuellen Album "Liebe ist für alle
da". Und bei "Ich will" zeigte sich wieder, wie Music
for the Masses zu sein hat. Eine grandiose Show.
Wiener Blutgasse Gothic Magazin - Präsentiert vom Engel der Nacht
